Die Arbeitsgruppe Heimatabend

Ein Höhepunkt des Jessener Schul- und Heimatfestes ist der Heimatabend, der traditionell am Donnerstag im großen Festzelt stattfindet.
Wir als Heimatabendgruppe sind natürlich mächtig stolz darauf, dass das Zelt in jedem Jahr komplett gefüllt ist und sowohl unser Publikum als auch die Mitwirkenden allen Altersklassen angehören.

Zunächst sind allerdings umfangreiche Vorbereitungen zu treffen, und es gilt unser Spruch: NACH dem Heimatabend ist VOR dem Heimatabend. Nicht selten haben wir schon direkt nach der Veranstaltung beim Tanzabend neue Talente für unsere Show gewonnen, die aus Begeisterung spontan den Mut fassten, mal mitzumachen. Und das ist nämlich das Geheimnis des erfolgreichen Konzeptes: Menschen aus unserer Stadt und Umgebung, die was Tolles können und zeigen wollen, und das mit großem Eifer einstudieren. So bin auch ich eher zufällig 2005 zum Heimatabend gekommen. Damals war noch Hansi Schneider nicht nur Chef des Jessener Ordnungsamtes, sondern auch ein nicht weg zu denkender Mitwirkender der Veranstaltung. Unvergessen seine Rolle als Horst Schlämmer.

Jetzt hatte er aber die Idee, passend zum Thema „Auf in den Urlaub – mit dem MS Jessen auf großer Fahrt“, das Land Spanien mit einem Flamenco zu repräsentieren. Ruck-zuck war ich überredet dabei zu sein, wusste allerdings noch nicht, auf was ich mich da einlasse. Als weitere Mitstreiterin in unserem Trio wurde Astrid Allenberg gewonnen.

Hansi, als absoluter Perfektionist, hatte für uns auch schon eine echte andalusische Tanzlehrerin ausfindig gemacht. Und so kam es, dass wir drei einen privaten Flamenco-Tanzunterricht buchten, der über ein halbes Jahr lief und jeden Donnerstag ab 20 Uhr in Leipzig stattfand. Wir müssen wohl nicht betonen, dass wir uns manchmal auf dem Rückweg bei Nacht und Nebel in der Dübener Heide gefragt haben: „Was machen wir eigentlich hier?“

Aber es hat so viel Spaß gemacht und wurde natürlich ein voller Erfolg. Diese Begeisterung und Sorgfalt in der Vorbereitung zeichnet im Allgemeinen das gesamte Programm aus. Unsere „Künstler“ sind Laien, die völlig ehrenamtlich auftreten, aber unglaublich viel Zeit, Mühe und Geld investieren, um einen gelungenen Auftritt zu präsentieren. Wir können uns glücklich schätzen, immer wieder tolle Darbietungen offerieren zu dürfen. Es gibt inzwischen schon alte gute Bekannte auf der Bühne, aber auch oft neue Gesichter, was uns sehr freut. Im letzten Jahr mussten wir von Simone Woick Abschied nehmen, die lange Jahre in der Organisation des Heimatabends tätig war und natürlich regelmäßig auf der Bühne stand. Als Sängerin hat sie brilliert, aber sie konnte auch unfassbar komisch sein. Ob als Cindy aus Marzahn oder Pittiplatsch – da blieb kein Auge trocken. Das Publikum zum Lachen zu bringen macht großen Spaß und wir versuchen, eine gute Mischung von Humor, Tanz und Gesang zu mixen.

Schon im Januar gibt es meistens die erste Zusammenkunft der Gruppe, um Absprachen zu treffen. Wer hat mit wem schon über einen Auftritt gesprochen? Wer wird beim neuen Programm dabei sein? Was wird aufgeführt? Wie lang ist der Beitrag? Und natürlich die wichtigste Frage: Wie soll das Motto lauten? Das ist immer ein richtiges „Brainstorming“ bei uns. Jeder hat dann plötzlich verrückte Ideen, und wir spinnen uns manches zusammen, bis wir am Ende schauen, was wirklich umsetzbar ist.

Es ist schön, dass unsere Gruppe aus „alten erfahrenen Hasen“ und jungen dynamischen Leuten besteht, die gemeinsam viel Freude an dem Projekt haben und sich gut verstehen. So sind unsere Zusammenkünfte nicht nur ernsthafte Arbeit sondern auch Vergnügen und so sollte Vereinsleben auch sein.

Spätestens im April steht dann das Programm, und jeder probt für sich so langsam für seinen Auftritt. Wir organisieren inzwischen noch fehlende Requisiten, Bühnenbilder, Musik, technische und schmückende Ausstattung der Bühne und des Backstage-Bereiches. Wichtig beim Programmaufbau ist die gute Mischung und die Länge der Beiträge.

Einigen unserer Akteure würde es mühelos gelingen, ihr Publikum eine halbe Stunde und länger in ihren Bann zu ziehen. Aber am besten laufen kurze Nummern von 5 bis maximal 15 Minuten ohne langes Auf- und Abbauen. Wir sind es von zu Hause mit der Fernbedienung gewöhnt: wenn es langweilig wird, wird abgeschaltet. Deshalb versuchen wir schon im Vorfeld genaue Zeiten der Beiträge einzuholen, um daraus ein zweieinhalbstündiges Programm zu schneidern. Das ist Zielvorgabe, denn in der Regel sind ab 22 Uhr, vor allem bei großer Wärme im Zelt, die Batterien des Publikums leer.

Trotzdem kommt es ab und zu mal vor, dass aus einem angekündigten 5-Minuten-Beitrag eine halbe Stunde wird. Dann fällt hinter der Bühne unser scherzhafter Satz: „Verdammt, wir haben wieder vergessen, im Bühnenboden eine Falltür einzubauen.“
Tatsächlich geht es hinter der Bühne aber recht lustig zu. Jeder fiebert mit dem anderen mit, und manchmal hilft auch ein kleines Glas Sekt, die größte Aufregung zu mindern.

Anfangs treffen wir uns einmal im Monat, ab Juni werden die Abstände dann kürzer. Manchmal fällt in dieser Phase noch plötzlich ein Beitrag aus. Das ist natürlich jedesmal Horror, aber die Gründe dafür sind meist nachvollziehbar und wir müssen dann eben zaubern. Genauso kann es vorkommen, dass plötzlich noch jemand mitmachen möchte obwohl das Programm schon voll ist. Aber auch dann finden wir eine Lösung. Manchmal ist es dann eben schon der 1. Programmpunkt fürs nächste Jahr.

Der wichtigste Termin vor dem Heimatabend ist der Mittwoch davor. Da findet unsere Generalprobe mit allen Mitwirkenden statt. Noch ohne Kostüm, nur mit den nötigsten Requisiten, wird alles durchgeplant. Details werden festgelegt: Aufmarsch auf die Bühne von vorn oder von der Seite? Wo wieder runter? Welche Requisiten müssen raufgetragen werden und wo sollen sie stehen? Wer braucht ein Headset? Wer möchte lieber ein Mikro?

Wichtig an diesem Abend ist der Soundcheck mit unserem Techniker Peter Blau. Hier investiert der Heimatfestverein in einen Profi, der dafür sorgt, dass auch die hinteren Reihen sowohl akustisch als auch durch die große Videoleinwand das Programm gut verfolgen können.

Etwas Sorge macht uns manchmal die Unruhe im Zelt. Die großen Tische und die Tatsache, dass an die 1000 Zuschauer mit guten Bekannten einen netten Abend verbringen möchten, führt natürlich zu angeregten Gesprächen. Dadurch werden manchmal aber leider bei den Wortbeiträgen die Pointen akustisch nicht verstanden.

Ansonsten sind wir aber mit unserem Jessener Publikum sehr glücklich. Von der ersten Minute an ist die Stimmung hervorragend und jeder Mitwirkende wird mit großem Applaus bedacht. Das ist unser schönster Lohn.

Nun aber nochmals zurück zur Generalprobe.

Das Motto ist jedesmal dasselbe: CHAOS.

Kein Mensch kann sich vorstellen, wie am nächsten Abend alles klappen soll. Und doch ist es so. Ein bisschen Adrenalin und ganz viel Vorfreude, und spätestens wenn der Spielmannszug sein Lied anstimmt und der Heimatfestverein ins Zelt einmarschiert – dann haben wir Gänsehaut und ein Kribbeln im Bauch.

Jetzt hilft nur noch Daumen drücken und schon geht’s los …

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen